‚Machazit haSchekel‘ – Stärkung unseres G‘ttvertrauens

Raw Chaim Grünfeld.

„Seh Jitnu kol haOwer al haPekudim Machazit haSchekel – dies sollen sie geben, jeder, der bei der Zählung durchgeht, einen halben Schekel….“ (30,13)

Raschi zitiert in Kürze die Worte von Chasal, dass Mosche Rabenu Schwierigkeiten beim Verständnis des halben Schekels hatte, bis ihm Hkb“H einen Münze aus Feuer wies, die Er von unter dem ‚Kiseh haKawod‘ hervornahm, und sprach: „Seh Jitnu – eine Münze wie diese sollt ihr geben“ [1].

Im Midrasch wird damit folgender Passuk (Tehilim 75,8) gedeutet: „Ki Elokim schofet, Seh jaschpil weSeh jarim – denn G’tt isr Richter; den erniedrigt Er und den erhebt Er“. Dawid Hamelech bezog sich dabei auf die Sünde des Egel, die mit dem aus Mizrajim genommene grosse Vermögen begangen wurde. Denn sie sagten dabei (32,1): „Ki Seh ha‘Isch Mosche – denn dieser Mann Mosche…. wir wissen nicht was ihm zugestossen ist“. Mit dem Wort „Seh“ hatte sich das Volk erniedrigt, und mit demselben wurde es wieder erhoben – durch die Abgabe des halben Schekel, bei dem es heisst „Seh Jitnu [2].

Bei den tragischen Ereignisse des ‚Egel haSahaw‘ sagte das Volk zu Aharon (32,1): „Mache uns Götter/Führer, die vor uns hergehen, denn dieser Mann Mosche der uns aus Mizrajim heraufgeführt hat, wir wissen nicht, was ihm zugestossen ist“. Selbst wenn für die effektive Schuld des Götzendienstes das gemeine „Volk“, das ‚Erew Raw‘ schuldig war [3], so versündigten sich die Bne Jisrael dennoch mit dem Fehlen ihrer Emuna und Bitachon in Hkb“H. Wenn wirklich Mosche Rabenu etwas zugestossen sein sollte, würde sie denn G’tt einfach im Stich lassen? So wie Er den Mosche als Seinen Nawi als Führer Jisraels ausgesucht hatte, würde Er doch ganz sicher sich ebenfalls um einen getreuen Nachfolger sorgen! Weshalb also diese Panik?

Das Problem jedoch bestand darin, dass die ganze Haltekraft des Volkes sich völlig auf Mosche ihren Führer stützte, während ihre ‚Emuna und Bitachon‘ nicht genügend gefestigt war. Sobald nun die geistige Stütze von seiten Mosches fehlte, und die eigene Stütze noch ziemlich schwach und unstabil war, um mit einer solchen Situation fertig zu werden, suchte das Volk sehnlich nach etwas haltbaren und verlässlichen. Folglich irrte es in seiner Panik und ergriff die von dem ‚Erew Rav‘ dargebotene irdische und  materielle Stütze – und stürzte ins Verderben!

Somit sind die Worte der Bne Jisrael verständlich, die von „Elohim Ascher jelchu lefanenu – Götter/Führer, die vor uns hergehen“ (32,1) in der Mehrzahlform sprachen. Denn es fehlten ihnen beide Stützen, die sie unlängst bei ‚Keriat Jam Suf‘ erworben hatten – „waja’aminu baSchem ubeMosche Awdo“ (14,31), die Emuna an Haschem und die Emuna am Zadik haDor.

In diesem Sinn lassen sich auch ihre weitere Worte erklären (32,1): „Ki Seh ha‘Isch Mosche (denn dieser │ Mann Mosche)“. Zwischen dem Wort „Seh“ und „ha‘Isch“ gibt es eine kurze Lesepause. Denn das Wort „Seh“ bezieht sich nicht auf Mosche, sondern auf Haschem, wie es heisst (Jeschaja 25,9) „Seh Haschem kiwinu lo – dies ist G’tt, auf den wir zu hoffen haben“. Mit dem Wort „Seh“ wird immer etwas Naheliegendes, eine mit dem Finger darauf zeigende Sache bezeichnet. Und Hkb“H ist immer anwesend und naheliegend!

Dieser Interpretation zufolge beklagten sich hier die Bne Jisrael über das Fehlen ihrer beider Stützen „ki Seh – denn Dieser“, unser G‘tt, an dem wir eigentlich durch unsere Emuna und Bitachon so verbunden sein sollten, dass wir sogleich mit dem Finger auf Ihn zeigen, wie auch die andere Stütze „ha‘Isch Mosche“ der Zadik unserer Generation, der uns immer diese Emuna und Bitachon lernt, alle beide fehlen uns! „Lo jadanu me haja Lo – wir wissen nicht was mit ihm – Jisrael – ist“. Wir verstehen nicht was mit diesem Volk geschehen ist, dass es ihm plötzlich an Emuna und Bitachon fehlt? Erst bei ‚Keriat Jam Suf‘ haben wir die G’ttliche Präsenz und Allmacht mit offenen Augen erkannt und riefen (15, 2): „Seh Keli – dies ist unser G’tt!“ Was also ist mit uns passiert?

Es war daher die Aufgabe der Schekel-Abgabe, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen und die Emuna und Bitachon an Haschem zurückzubringen. Jeder Jehudi ist nur etwas ‚Halbes‘, denn was kann er tatsächlich alleine tun und bewirken? Aber mit Hkb“H zusammen, ist er etwas ‚Ganzes‘, denn von Ihm erhält er die Kraft, Macht und Möglichkeit etwas zu tun und zu schaffen. Daher heisst es im Passuk: „Seh jitnu – dies sollt ihr geben“. Alle Geschehnisse auf der Erde und alle Leistungen der Menschheit sollt ihr der Allmacht G’ttes zuschreiben – Ihm sollt ihr es geben. Mit diesem Wissen, dass alles von G’tt gemacht und geführt wird, ist der Mensch immer zufrieden und beruhigt. In jeder, noch so schweren Situation, besitzt er eine starke Emuna und Bitachon. Nichts bereitet ihm Sorgen und er verliert sich nicht in einer Panik!

Dies zeigte Hkb“H dem Mosche als Er ihn eine halben Schekel aus Feuer wies, die Er von unter dem ‚Kiseh haKawot‘ (G’ttlichen Thron) hervorzog, was selbstverständlich nur sinnbildlich gemeint ist. Hkb“H wollte damit sagen: „Wenn der Jehudi sich nur für etwas Halbes hält und die andere Hälfte immer Mir zuschreibt, dann ist er immer mit dem ‚Kiseh haKawod‘ verbunden. „Ki Elokim schofet, Seh jaschpil weSeh jarim“. Er weiss, dass G’tt der Richter aller  Menschen der Erde ist, und diesen erniedrigen und jenen erheben lässt. Genau so wie Haschem auf ihn die schweren Nöte und Bürden des Lebens brachte, kann und wird auch nur Er sie wieder von ihm entfernen. Mit einer solchen Emuna und Bitachon lassen sich alle Hindernisse im Leben beseitigen, sie besitzen die Kraft des Feuers, das alles im Wegstehende verbrennt.

Quellennachweis:

    [1] Midrasch Tanchuma P. Ki Sissa 9

    [2] Midrasch Tehilim 75

    [3] Siehe Raschi 32,7 gemäss Midrasch Tanchuma P. Ki Sissa 21